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Transfer

  1. Transfer in die Organisation
  2. Transfer in das Curriculum der Pflege-Ausbildung


1. Transfer in die Organisation

Im September 2008 ist die Entwicklung der Gesundheitskompetenzen auf der Modellstation des Alice-Hospitals weitestgehend abgeschlossen. Ebenfalls hat ein Transfer des Konzeptes auf eine Station in den Kinderkliniken Prinzessin Margarete stattgefunden.

Die Entwicklung der Gesundheitskompetenzen mit den Pflegekräften verläuft als Lernprozess in drei Stufen:

Stufe 1: Erlernen der Methode der Gesundheitshebel und des Problemlösungsprozesses als auch Unterstützung der partizipativen Vorgehensweise anhand der Analyse aktueller Belastungssituationen in Dialogseminaren.

Stufe 2: Implementierung und organisatorische Einbindung der Vorgehensweise in die Arbeit auf der Station durch regelmäßige Problemlösungstreffen (sowohl interne- innerhalb des Pflege-Teams- und stationsübergreifende Problemlösungstreffen- mit anderen Berufsgruppen, z.B. den Ärzten), sowie in der Anfangsphase während der Treffen Coaching durch den Präventionscoach. Stufe 3: Selbstständige präventive Arbeit auf der Station sowie Rückkopplung und nachhaltige Verankerung des Präventionserfolges mit einer (im Rahmen des Projektes entwickelten) Gesundheits-Scorecard.

Die erste Modell-Station befindet sich seit fast zwei Jahren in dem Entwicklungs- und Lernprozess. Die zweite Station befindet sich seit ca. einem Jahr in dem Entwicklungs- und Lernprozess. Die Implementierung des Gesundheitskompetenz-Konzeptes erfolgte in Form von Workshops (Dialogseminare) und dem folgenden Coaching des Pflegepersonals während der Problemlösungstreffen über mehrere Monate mit dem Ziel, den hinzugewonnen Kompetenzgewinn in die organisatorischen Abläufe der Station zu integrieren und Selbstorganisation zu üben.

Die pflegerischen Mitarbeiter der ersten Modellstation haben in diesen fast zwei Jahren 30 stationsinterne Problemlösungstreffen sowie ebenfalls eine gleiche Anzahl von Treffen berufsgruppenübergreifend mit Ärzten durchgeführt. In der zweiten Station fanden bisher 12 stationsinterne Problemlösungstreffen statt.

Beide Stationen haben das Konzept der Gesundheitskompetenzen in ihren Arbeitsalltag integriert. Sie führen regelmäßig ihre Problemlösungstreffen durch und arbeiten an ihren Belastungen.

Analyse der Wirksamkeit



Um herauszufinden, wie die Pflegenden selbst ihren Lernprozess der Entwicklung von Gesundheitskompetenzen einschätzen und ob sich durch die partizipative Arbeit an den Belastungssituationen tatsächlich eine veränderte subjektive Wahrnehmung ergibt, wurden mit den Pflegenden beider Stationen Interviews sowie mit der ersten Modellstation, die seit fast zwei Jahren mit dem Konzept arbeitet, eine Befragung durchgeführt. Da verändertes Verhalten zunächst subjektiv erlebt wird und es daher schwierig ist, die Entwicklung von Gesundheitskompetenzen zu messen, wurden diese beiden Methoden (Interview und Befragung) verwendet.

Die Auswertung der Interviewergebnisse mit Pflegenden beider Stationen hat ergeben, dass folgende Ziele erreicht wurden:
  1. bestimmte Situationen werden nicht mehr als Belastungen empfunden (z.B. man übernimmt freiwillig die Verantwortung für ein Vorkommnis)
  2. Belastungen haben sich in ihrem Charakter verändert (z.B. werden nicht mehr als persönlicher Fehler empfunden, sondern als Teil der Arbeitssituation)
  3. Belastungen und deren Ursachen werden klarer definiert (und sind damit auch einfacher zu lösen)
  4. Belastungen werden durch den Problemlösungsprozess verringert
  5. Belastungen und deren Ausprägungen werden als ein Bestandteil der Arbeit akzeptiert.
Die Interviews mit den Pflegenden haben gezeigt, dass eine Veränderung der Kompetenzen in folgenden Feldern in Gang gesetzt wurde: Erkennen von Belastungssituationen, Ursachen bzw. Charakter von Belastungssituationen besser verstehen zu können sowie eine bessere Differenzierung zwischen verschiedenen Belastungen. Des Weiteren haben die Pflegenden Kompetenzen der zielgerichteten Belastungsreduktion durch systematische Nutzung des Problemlösungsprozesses (Entscheidung für Lösungsweg, Lösungsfindung, Implementieren von Lösungen, Bewerten von durchgeführten Lösungen) entwickelt.

Für die Pflegenden der beiden Stationen ist die Beschäftigung mit „Prävention“ eine neue herausfordernde Aufgabe, die zusätzliche Zeit in Anspruch nimmt und es wurde auch als „ungewohnt“ beschrieben, mit den Kollegen gemeinsam Belastungen zu definieren, zu analysieren und zu lösen. (Quelle: Interviews mit Pflegenden beider Stationen).

Bei der ersten Modellstation wurde im Sommer 2008 eine Befragung durchgeführt, bei der die Mitarbeiter zu jeder im Rahmen des Problemlösungsprozesses definierten Belastungssituation einschätzen sollten, ob sich die Belastungen reduziert haben. Folgende Ergebnisse wurden durch die Befragung von 10 Mitarbeitern erhoben:

Bei den stationsinternen - die Pflege betreffenden Themen - haben sich bei 61 % aller gelösten Belastungssituationen die Belastungen reduziert. Bei den stationsinternen Belastungssituationen, die noch nicht als gelöst zu betrachten sind, bei denen jedoch die Belastungen definiert und eingeschätzt sowie Möglichkeiten der Lösung erarbeitet wurden, ergaben immerhin 34 % aller Antworten, dass sich die Belastung bereits reduziert habe. Zusätzlich sollten die Mitarbeiter einschätzen, ob sich durch die Beschäftigung mit Belastungsthemen und deren Lösungen zusätzliche Wirkungen ergeben haben. Hier zeigte sich, dass sich durch die Beschäftigung mit einer Belastungssituation sowie mit deren Lösung insbesondere die Abläufe, die Zusammenarbeit im Team sowie der Informationsfluss verbessert haben.

Um den Präventionserfolg- also den Prozess des Erwerbs von Kompetenzen- messen zu können, damit die Stationen eine Rückkopplung über ihre Arbeit an Belastungssituationen erhalten und der Prozess nachhaltig gesichert werden kann, ist die Entwicklung einer Gesundheits-Scorecard ein wichtiges Instrument als Rückkopplungs- und Steuerungsmechanismus.


2. Transfer des Konzeptes der Gesundheitshebel in das Curriculum der Gesundheits- und Krankenpflegeschule



Das Konzept der Gesundheitshebel wurde von der Gesundheits- und Pflegeberufe Darmstadt – Groß-Gerau GmbH aufgegriffen und für die Anwendung in der Gesundheits- und Krankenpflege-/Gesundheits- und Kinderkrankenpflegeausbildung methodisch weiterentwickelt.

Die Verknüpfung der Gesundheitshebel mit passenden Inhalten des Hessischen Rahmenlehrplanes, z.B. Konfliktgespräche führen, Case-Management und Organigramme ergab eine fünftägige Lerneinheit, die bislang in zwei Kursen erprobt wurde.

Die Auszubildenden sollten lernen, berufliche Belastungssituationen wahrzunehmen, deren Relevanz einzuschätzen und sie mit Hilfe eines geeigneten Gesundheitshebels zu reduzieren.

Die methodisch-didaktische Vermittlung erfolgte sehr praxisnah mit Fallbeispielen aus dem Stationsalltag. In Form von Rollenspielen entwickelten und beurteilten die Auszubildenden Verhaltensalternativen, um in als schwierig empfundenen Situationen professionell und gelassen reagieren zu können.

Die Lerneinheit wurde sowohl von den Auszubildenden als auch von den Lehrkräften als positiv empfunden. Vor allem die alltagsorientierte Gestaltung wirkte sich motivierend aus.

Berufliche Belastungen zu reduzieren, kann nicht im theoretischen Unterricht gelingen, daher erhielten die, nunmehr für die Thematik sensibilisierten, Auszubildenden eine weiterführende Lernaufgabe für die Praxis. Am jeweiligen Einsatzort sollen sie ihr “Entlastungsrepertoire“ testen. Die gemachten Erfahrungen werden im Rahmen wiederkehrender Praxisreflexionen im Unterricht aufgearbeitet.