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Vorgehen

Die partizipative Entwicklung der Gesundheitskompetenzen findet in periodischen, so genannten Dialogseminaren und einem partizipativen Problemlöseansatz im Pflegealltag statt.

Dies stellt einen neuen Ansatz dar, der zwar Elemente des bestehenden Konzeptes der Gesundheitszirkel nutzt, jedoch den Schwerpunkt auf die Entwicklung von „Rüstzeug“ für die Pflegenden verlagert. Es werden die Fähigkeiten und Kompetenzen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter entwickelt, die zur Handhabung von Arbeitsbelastungen und -beanspruchungen als notwendig formuliert worden sind. Wie in Gesundheitszirkeln findet in den Dialogseminaren ein Austausch der Pflegenden in einem moderierten Rahmen statt.

Kompetenzentwicklung geschieht dabei durch Maßnahmen, die darauf hinzielen, das potentielle Handlungsvermögen der Pflegenden zu erhöhen, und zwar in Relation zu einer spezifischen Belastung, Aufgabe oder Situation. Durch das Erlernen von verschiedenen Kompetenzfeldern soll Wissen vermittelt werden und die Umsetzung im Alltag eingeübt werden. Somit können sich die Pflegenden „Hebel“ verschaffen, um ihre Gesundheit am Arbeitsplatz selbst beeinflussen zu können.

Durch die Formulierung eines organisationsübergreifenden typischen Lösungsprozesses bei Engpasssituationen und Problemen soll allen Berufsgruppen die Möglichkeit gegeben werden, auftauchende Belastungssituationen in relativ kurzer Zeit im Team oder teamübergreifend zu besprechen und zu einer Lösung zu kommen.

Im Folgenden soll nun ein Überblick über die im Projekt erarbeiteten Kompetenzfelder, den so genannten Gesundheitshebeln, gegeben werden. Dabei handelt es sich um Kompetenzfelder, die in der Pflegearbeit als relevant empfunden werden, jedoch flexibel erweitert oder auch gekürzt werden können:

1. Gesundheitshebel ‚Prioritätensetzung’

Bei diesem Gesundheitshebel wird darauf fokussiert, welche Prioritäten gesetzt werden und mit welchen Ziel diese Prioritäten verknüpft sind. Beim Prioritäten setzen wird sich für bestimmte Arbeitsaufgaben entschieden. Wichtig dabei ist es, zu hinterfragen warum eine Entscheidung zugunsten von bestimmten Arbeitsschritten getroffen wird

2. Gesundheitshebel ‚Handhabung von Abweichungen’

Die Kompetenz zur Handhabung von Abweichungen besteht darin, die Erfahrung mit unerwarteten Situationen so zu nutzen, dass daraus für die Zukunft Lerneffekte eintreten. Unerwartete Situationen tauchen in allen Zusammenhängen auf, für gewöhnlich als Störfaktoren oder Probleme. Eine Kompetenz zur Handhabung von unerwarteten Situationen wäre es, eine Situation zu verändern, zu verhindern oder Routinen einzuführen, um diese unerwarteten Situationen gesund und effektiv handhaben zu können.

3. Gesundheitshebel ‚Kommunikation und Zusammenarbeit’

Besonders Pflegekräfte müssen mit vielen Berufsgruppen zusammenarbeiten, wie zum Beispiel mit Ärzten, dem Arbeits- und Gesundheitsschutz oder mit Vertretern des Pflegedienstes. Als ein Fazit von Studien zu Arbeitsbelastungen in der Pflege lässt sich festhalten, dass 70 bis 80% der Gesamtarbeitsbelastung im Krankenhaus in Informations-, Beziehungs- und Kommunikationsproblemen innerhalb und vor allem zwischen den Berufsgruppen liegen [6,10]. Falls diese Zusammenarbeit oder auch die interne Kommunikation gestört ist, müssen Wege gefunden werden, um eine gesunde Arbeitsatmosphäre und einen organisierbaren Arbeitsablauf sicherzustellen. Der Gesundheitshebel soll helfen, Arbeitsbeziehungen nicht nur zu erhalten sondern auch im Sinne einer effektiven Zusammenarbeit zur Erreichung definierter Ziele weiterentwickelt werden kann.

4. Gesundheitshebel ‚Organisationsarbeit’

Hierbei soll die zum einen die Fähigkeit gefördert werden, sowohl organisatorische Anforderungen zu handhaben als auch deren Freiheiten zu erkennen und zu nutzen. Die Verteilung der Pflegearbeit auf die Pflegenden kann im Pflegeprozess unterschiedlich organisiert werden. Je nach Wahl der Organisation werden damit unterschiedliche Ziele verfolgt. Mit Hilfe des Gesundheitshebels „Handhabung von organisatorischen Rahmenbedingungen“ sollen gewählte Arbeitsformen reflektiert und gegebenenfalls aufgrund des Ziels der Belastungsreduktion verändert werden.

5. Gesundheitshebel ‚Qualitätsarbeit’
Es soll hierbei diskutiert werden, welche Qualität der Pflegearbeit die einzelnen Pflegekräfte und Stationen für sich definieren. Zwar gibt es gesetzte Standards und Vorschriften, jedoch bestehen durchaus eigene Ansprüche und Erwartungen außerhalb dieser Standards an die Erfüllung der Arbeit. Erwartungen des Individuums, der Station und der Organisation an die Qualität und die Organisationsarbeit sollen durch diesen Hebel diskutiert und transparent gemacht werden.

6. Gesundheitshebel ‚Handhabung von Beanspruchungen’
Wie kann ich mich am besten erholen und sowohl psychisch als auch physisch gesund bleiben? Diese Frage können nur die Menschen selbst beantworten, die diese Frage stellen. Deshalb ist es nicht Ziel des Projektes, Sportangebote und Rückenschulen anzubieten. Vielmehr soll zusammen mit den Pflegekräften analysiert werden, was Erholung und Fitness individuell bedeutet und was die eigene mentale und körperliche Erholung fördert. Durch ein gezieltes Ausprobieren und Experimentieren mit Erholungstechniken wird ein Lernen über die Bedürfnisse der eigenen Person angestrebt.
Zusätzlich sollen emotionale Beanspruchungen, die vor allem durch schwerkranke oder sterbende Patienten entstehen, thematisiert werden. Ob es das Miterleben von Schmerzen, die Übermittlung einer Diagnose oder sogar der Tod eines Patienten ist – für Pflegekräfte ist dies Teil ihres Arbeitsalltags, der hohe emotionale Belastungen bedeutet. Durch Gespräche über und Hilfestellungen bei diesen Belastungen, die vor allem in der täglichen Realität nicht von so genannten „Experten“ von außen geleistet werden, sondern von den Experten von innen, nämlich den erfahrenen Pflegekräften des Teams, soll der Gruppe die Möglichkeit gegeben werden, mit diese Belastungen und Beanspruchungen umzugehen und von den Erfahrungen der Kolleginnen und Kollegen profitieren zu können und darin Unterstützung zu erfahren.

Ein Teil der genannten Kompetenzfelder (Kompetenzen 1-4) wurden bereits von Lantz/Friedrich (2003) entwickelt und konnten in Gesprächen mit den Pflegenden als wichtige Gesundheitshebel identifiziert und erweitert werden.

Durch eine Gesundheits-Scorecard wird ein Instrument entwickelt, welches die Verankerung der Gesundheitskompetenz in die Routinen der Arbeitsorganisation unterstützen und zur Nachhaltigkeit beitragen soll.

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